Das Wunder des frühen Aufstehens

Frühaufsteher oder Langschläfer? Am liebsten den ganzen Tag im Bett verbringen oder nach draußen gehen, die Welt erkunden? Während für viele Menschen das frühe Aufstehen am Morgen ganz normal ist, tun sich andere schwer damit, sich aus den Betten zu quälen. Besonders im Herbst und Winter, wenn es morgens noch lange dunkel ist. Die Motivation fehlt, der Elan. Es ist kalt und ungemütlich; die warme Bettdecke umso kuscheliger und am liebsten würde man sich den ganzen Tag verkriechen in der wohligen Wärme des heimischen Bettes, liegen bleiben in den Armen des Partners, nur um noch einmal wegzudösen. Und wenn dann um zehn oder elf Uhr erneut der Wecker klingelt, das helle Licht von draußen sich durch die Schlitze des Rolladen drängt und einem immer wieder zuflüstert: Es ist Zeit, jetzt endlich mal aufzustehen, ist der Morgen schon vorüber, der halbe Tag verschlafen und ein wichtiger Teil des Tages blieb vollkommen ungenutzt.

In welche Kategorie würdet ihr euch selbst eingliedern? Frühaufsteher oder doch eher Langschläfer? Vielleicht auch irgendetwas dazwischen?

Schon als Kind war ich Frühaufsteher. Heute erzählt meine Mutter mir manchmal Geschichten, wie nervig es war, dass ich, egal wie alt ich wurde, morgens um fünf oder sechs Uhr schon in das Schlafzimmer meiner Eltern gerannt kam, weil ich hellwach war und unterhalten werden wollte. Bis vor ein paar Jahren war es noch genauso. Natürlich bin ich mit Anfang/Mitte Zwanzig nicht immer noch in das Schlafzimmer meiner Eltern gerannt und habe darum gebettelt, dass man mich unterhält. Doch für gewöhnlich habe ich, so gemein es auch klingt, meinen Freund immer aus den Federn geworfen, wenn ich wach war, egal ob es nun fünf, sechs oder sieben Uhr waren. Mittlerweile lasse ich ihn schlafen, weil ich das Wunder des Morgens einfach für mich ganz alleine genießen möchte; ein paar Augenblicke am Tag, in denen man das Gefühl hat, ganz alleine auf der Welt zu sein. (Und natürlich auch, weil jeder selbst entscheiden sollte, wann er an einem freien Tag nun aufsteht ;-))

Es dämmert draußen, vielleicht ist es auch sogar noch dunkel. Alles ist still und am Horizont sieht man einen sanften Streifen aus warmen Licht. Die Sonne kündigt sich an. Alles scheint wie ausgestorben; kaum jemand ist um diese Uhrzeit unterwegs, schon gar nicht an einem Samstag oder Sonntagmorgen; ein Pendler vielleicht, der Bäcker, der die frischen Sonntagsbrötchen backt oder Hundebesitzer, die mit ihren kleinen Lieblingen Gassi gehen.

Auch wenn ich die Gesellschaft anderer Menschen mag, brauche ich diese Momente im Leben, die ganz alleine nur mir gehören. Ich gehörte schon immer zur Gruppierung Einzelgänger. Ich mache Vieles alleine und das gerne. Ich kann mich stundenlang mit mir selbst beschäftigen, ohne, dass mir langweilig wird. Ich gehe gerne alleine shoppen, einfach spazieren, mit Kamera und Buch im Gepäck oder verbringe den Tag einfach auf dem Sofa mit einem guten Buch; gönne mir ein bisschen Ruhe und Entspannung.

Ich liebe diese wenigen Augenblicke ganz früh morgens; kurz bevor die Sonne aufgeht, wenn es anfängt zu dämmern und man aus dem Fenster blickt; man Zeuge wird, wie die Welt plötzlich zum Leben erweckt. Es verleiht mir immer wieder dieses Gefühl von Glück, Dankbarkeit; regt mich tatsächlich aber auch zum Nachdenken an. Dieses Alleinsein tut mir gut, und der frühe Morgen ist meiner Meinung nach die beste Zeit, um mit sich ins Reine zu kommen; sich mental auf den Tag vorzubereiten; einfach die Ruhe vor dem Sturm zu genießen und zu sich selbst zu finden.

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GRÜNDE, WIESO SICH DAS FRÜHE AUFSTEHEN LOHNT

 

MEHR ZEIT + PRODUKTIVITÄT

Der Morgen ist eine Zeit am Tag, in der wir kaum bis gar nicht abgelenkt oder unterbrochen werden. Sei es nun zu Hause, oder auf der Arbeit im Büro. Das Telefon bleibt ruhig, man hat keine Termine, denn die meisten Menschen, sei es nun Familie, Arbeitskollegen oder Kunden, schlafen noch friedlich in ihren Betten. Der Morgen eignet sich perfekt um Dinge zu erledigen, die sonst liegen bleiben: E-Mails beantworten, die letzten Seiten eines guten Buches lesen, Urlaube planen, Geschenke verpacken, Essen zubereiten oder Kuchen backen, kreativ sein … Der Morgen ist die beste Zeit, um richtig produktiv zu werden. Wer schon früh sehr viel schafft; sehr viel erledigt bekommt ist nicht nur motivierter, sondern startet auch viel zufriedener in den Tag als jemand, der zum Beispiel erst um halb neun auf der Arbeit eintrudelt und erst dann mit der morgendlichen Routine beginnt, sich hetzt und stresst, weil ihm die Zeit fehlt, alles ruhig, entspannt und ordentlich anzugehen.

Ich merke das sehr stark an mir selbst. Wenn ich erst um acht Uhr im Büro erscheine, anstatt um halb sieben oder sieben, ist der Tag für mich – auf gut Deutsch gesagt – schon fast gelaufen. Ich hinke hinterher, und zwar mit allem, meine Motivation geht gegen Null und meine Laune fällt tief in den Keller.

Ein weiterer Vorteil? Man ist früher mit der Arbeit fertig. Während andere noch um 18:00 Uhr oder 19:00 Uhr auf der Arbeit sitzen, weil sie morgens zu spät kamen, kann der Frühaufsteher ganz entspannt um 16:00 Uhr oder 17:00 Uhr nach Hause fahren und das ohne schlechte Gewissen.

GESUNDE GEWOHNHEITEN

Wer früh aufsteht, hat Zeit zu frühstücken. Das Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit des Tages, so heißt es zumindest. Früh aufstehen bedeutet, man hat mehr Zeit gemütlich zu frühstücken und sich nicht bloß schnell einen Früchteriegel auf dem Weg zur Arbeit in den Rachen zu schieben. Doch nicht nur um ein gesundes Frühstück kann man sich kümmern, sondern auch um andere Gesundheitsgewohnheiten. Beispielsweise Sport. Erst kürzlich habe ich für mich selbst festgestellt, wie viel besser ich mich fühle, wenn ich meinen Sport auf früh morgens, statt auf abends nach der Arbeit lege. Morgens um fünf Uhr im Fittness Studio sind erstens viel weniger Menschen unterwegs und zweitens, man fühlt sich für den Rest des Tages viel fitter, besser – mental einfach richtig gut.

Bewegung am Morgen jedoch beeinflusst nicht nur unsere Stimmung positiv, sondern auch unsere Leistungsfähigkeit. Unser Gehirn wird viel besser mit Sauerstoff versorgt, wir sind ruhiger, nicht so hektisch und viel konzentrierter.

KEIN STRESS

Wenn man solange schläft, dass man es gerade noch schafft, pünktlich auf der Arbeit zu erscheinen, verfällt man sehr leicht in Stress. Man springt aus dem Bett, die Zähne werden nur halbherzig geputzt, schnell klatscht man sich ein bisschen Wasser ins Gesicht, die Haare werden flüchtig durchgekämmt und man schlüpft in irgendwelche Klamotten, die man unbedacht aus dem Schrank zieht. Schnell noch der Instant Kaffee, eine Scheibe Brot oder ein Müsliriegel – wenn überhaupt – und schwupp, hüpft man ins Auto und ist schon auf dem Weg zur Arbeit. Hinzu kommt mögliches Verkehrschaos, dass gerade zu den Stoßzeiten nicht unüblich ist und gerade am frühen Morgen oftmals das Gemüt vergiftet. Die Laune sinkt in den Keller, das Stresslevel steigt und allmählich breitet sich Nervosität in einem aus, Wut – all diese negativen Gefühle, die einem den Tag viel zu schwer machen. Das frühe Aufstehen ermöglicht es einem, alles entspannter und ruhiger anzugehen, sich ein schönes Outfit auszusuchen, zu duschen, sich zu frisieren, zu rasieren etc. pp. ohne, dass der Blick ständig an der immer schneller tickenden Uhr klebt. Auch der Stau auf der Autobahn bleibt aus; das Fahren wird nicht zur Stresssituation, sondern zu einer angenehmen Alltagssituation.

SONNENAUFGANG

Könnt ihr euch noch daran erinnern, wann ihr das letzte Mal einen Sonnenaufgang so richtig live und in Farbe bewusst mit erlebt habt? Schnell vergisst man, wie schön unser Planet Erde doch ist und was er alles zu bieten hat. Zwei der schönsten Naturschauspiele sind meiner Meinung nach Sonnenauf- und untergänge; Momente, die einem Gänsehaut bescheren und einem immer wieder klar machen, wie schön das Leben doch ist, unabhängig von all den schrecklichen Dingen, die auf der Welt passieren. Es gibt sie, diese Augenblicke, die einem Mut machen; die einen lehren, sich selbst und das Leben wertzuschätzen. Alleine, um den Sonnenaufgaben mitzuerleben, die Schönheit unserer Welt in diesen kurzen Momentaufnahmen zu genießen ist Grund genug, früh aufzustehen.


Dieser Artikel ist natürlich nicht als Ratgeber für das persönliche Schlafverhalten gedacht; er soll schließlich dazu dienen, das eigene Schlafverhalten zu überdenken, vielleicht sogar in Frage zu stellen. Wer zum Beispiel erst um zwei Uhr nachts ins Bett geht; sollte natürlich nicht schon wieder um fünf Uhr aufstehen. Schlafmangel ist ungesund, kann unter anderem zu Leistungsabbau, Gewichtszunahme etc. führen. Wer früh aufstehen möchte, sollte darauf achten, dass er dennoch genug Schlaf bekommt; denn schlafen ist für den Körper ebenso wichtig, wie es das Essen, das Trinken und das Atmen ist.

Wie ist das bei euch? Seid ihr Frühaufsteher oder doch eher Nachteulen?

8 Kommentare zu „Das Wunder des frühen Aufstehens

  1. Eine interessante Frage & ich kann die Vorteile, die du aufgelistet hast, sehr gut nachvollziehen! Allerdings hängt das immer ein bisschen davon ab, wie viel Schlaf man braucht – das ist ja nicht bei jedem gleich. Ich weiß nicht, ob es nur Gewohnheit ist, ob ich es auch anders könnte, aber ich schlafe üblicherweise 9-10 Stunden. Daher bin ich schon total zufrieden, wenn ich zwischen 8 und 9 aufstehe. Da bleibt noch etwas Vormittag, an dem ich Dinge erledigen und mich einarbeiten kann.

    Ich würde gerne weniger Schlaf brauchen & mehr Sonnenaufgänge sehen, andererseits habe ich auch einige negative Assoziationen mit dieser Zeit: Schlaflosigkeit, Zurückkommen von der Arbeit (ich war einige Zeit Kellnerin bei verschiedenen Events) oder nach langen Nächten in Bars und Clubs. Dabei mag ich es auch, wenn alles ruhig ist, aber im Moment ist es mir einfach nicht wichtig genug, um dafür meine Gewohnheiten umzustellen. Vielleicht irgendwann in den nächsten Jahren. 🙂

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    1. Hallo Vanessa,

      vielen Dank für dein Kommentar 🙂 genau deshalb auch unten meine Anmerkung. Ich möchte mit diesem Artikel nicht vorgeben, wie man sein Schlafverhalten zu ändern hat etc., es soll als Anregung dienen und die vorgenannten „Vorteile“ sind natürlich meine ganz persönlichen Eindrücke 🙂 Jeder Körper ist anders und wenn man zufrieden und glücklich ist, wieso was ändern? 🙂

      Ich für meinen Teil brauche das einfach; ich liebe es ganz früh morgens vor allen anderen wach zu sein und ich habe für mich festgestellt, dass ich so einfach viel produktiver bin und Tage, an denen ich tatsächlich mal „erst“ um 9 aufstehe von Vorneherein einen negativen Beigeschmack haben, weil ich das Gefühl habe, schon den halben Tag verloren zu haben.

      Früh aufstehen, frühstücken, Sport, die Ruhe genießen, den Sonnenaufgang beboachten – das ist für mich der perfekte Morgen. Zwar schau ich mir nicht immer den Sonnenaufgang an, da man ihn erstens natürlich nicht immer sieht haha und manchmal einfach die Zeit fehlt bzw. man was anderes zu tun hat, dennoch brauche ich so etwas auf jeden Fall. Ich bin ein absoluter Morgenmensch 😀 teilweise leider auch Nachteule, das verträgt sich dann nicht immer so gut und ich habe tatsächlich an manchen Tagen etwas Schlafmangel, falle dann am Tag drauf verständlicherweise aber dann auch schon sehr früh ins Bett um den Schlaf nachzuholen aber auch das finde ich ok 🙂 solange man zufrieden ist, ist ohnehin alles gut!

      Liebste Grüße
      Ivy

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      1. Ja, da hast du auf jeden Fall recht! Jeder sollte für sich eine Routine finden, die zu einem passt. Allerdings würde ich manchmal wirklich gerne weniger Schlaf brauchen und beneide Menschen, die zB nach nur 6 Stunden nicht wie ein Zombie herumlaufen. 😀

        Wahrscheinlich ist es für mich auch nicht schlimm, um 9 aufzustehen, weil ich keine bzw. eine sehr kurze Morgenroutine habe. Dadurch verliere ich schon mal nicht viel Zeit, aber das ist ja auch individuell.

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      2. Das Glück habe ich auch, da ich mich z. B. ohnehin nicht schminke und es z. B. auch hasse morgenes zu duschen (das mithin immer alles abends mache), dauert das bei mir morgens auch nie lange 😀 ich habe mittlerweile auch angefangen, mir – wie Mama das früher getan hat – abends schon Kleider für den nächsten Morgen bereit zulegen, weil das morgens dann auch schon mal weg fällt haha

        Ich komme ganz gut mit 6 Stunden Schlaf aus, aber wie gesagt, ich war schon als Kind Frühaufsteher und ich habe noch nie viel Schlaf gebraucht, auch nach einer durchzechten Partynacht bin ich top fit – vielleicht auch deshalb, weil ich kaum bis gar kein Alkohol trinke, keine Ahnung 😀 ich denke es kommt alles auf den Körper an 🙂

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  2. Ich bin auf jeden Fall ein Frühaufsteher, daher fange ich auch schon um 6 Uhr an zu arbeiten. So habe ich früh Feierabend und genug Zeit für mich oder ein paar Sachen zu erledigen.
    Morgens im Zug nutze ich die Zeit um ein paar Seiten zu lesen.

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  3. Huhu Ivy 🙂
    ich bin ein Frühaufsteher und genieße auch das ruhige Alleinsein. Morgens bin ich soviel konzentrierter und „bei der Sache“. Natürlich schlaf ich auch mal gerne aus – Das aber meist zusammenhängend mit langen Nächten.
    Früher war das anders – ich hab spät geschlafen und bin spät aufgestanden – Da hatte ich Schichtdienst und das tat mir garnicht gut. Ich war ständig unruhig und hab regelmäßig schlaflose Nächte gehabt.
    So wie es jetzt ist, geht es mir deutlich besser – Vor allem bin ich entspannter…Yay
    Schlaf ist so wichtig und das kann ganz leicht unterschätzt werden. Trotzdem denke ich jeder muss für sich schauen was gut für ihn ist 🙂 Da wird wohl jeder anders sein 🙂
    Super spannender Beitrag 🙂 Ich lese dir so gerne zu^^
    Liebste Grüße Stella

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    1. Danke dir liebste Stella ❤

      Und jaaa, es ist sehr wichtig, dass man seinen eigenen Rhytmus findet und auf jeden Fall auch genug Schlaf bekommt. Schlaf ist unfassbar wichtig, für den Körper, für den Geist …

      Schön, dass es hier auch einige Frühaufsteher gibt, denen es genauso geht wie mir hihi ❤

      Liebste Grüße
      Ivy ❤

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