Florenz – Liebe auf den zweiten Blick

Es war Liebe auf den zweiten Blick, das mit mir und Florenz. War Florenz eine der Städte, auf die ich mich am meisten gefreut hatte; eine Stadt, die bereits seit Jahren auf meiner Bucket-List Stück um Stück ein wenig höher rutschte, stellten sich in den anfänglichen Stunden Anzeichen von Enttäuschung ein. Ich weiß nicht ob es die Bücher waren, die ich gelesen oder die Filme, die ich gesehen hatte, die meine Erwartungen an dieses Stückchen Erde inmitten von Italien so hochgeschraubt hatten oder die Vorfreude einfach so groß und mit den Händen kaum zu greifen war, dass sich diese hohen Erwartungen wie von selbst eingestellt hatten.

Vielleicht waren die für meinen Geschmack zu hohen Temperaturen, vielleicht aber auch der falsch von mir gewählte Reisezeitraum August mitten in der Hauptsaison für meine anfängliche Enttäuschung verantwortlich zu machen. Die Stadt wirkte kleiner als erwartet; die Straßen viel zu eng oder einfach zu voll von all den Touristen, die von überall auf der Welt herkamen, um sich die Stadt in der wunderschönen italienischen Toskana mal etwas genauer anzuschauen. Man muss hier mehr menschliche Nähe zulassen, als einem vielleicht lieb ist. War es nicht ganz so beengt wie in Verona, lief man hier doch Seite an Seite mit wildfremden Touristen durch die Stadt auf der Suche nach den berühmten Sehenswürdigkeiten, die jeder, der Florenz besuchte, zumindest einmal sehen wollte.

Kathedrale Santa Maria del Fiore

Dorthin, von wo sich die Einheimischen meist fernhalten und die Touristen in Massen hinströmen, dem Sehenswürdigkeitendreieck zwischen Uffizien, Ponte Vecchio und dem Dom machte auch ich mich auf den Weg, hatte mich die Geschichte von Lina in Jenna Evans Welch Jugendroman Love & Gelato inspiriert, die Stadt zu erkunden. Die anfängliche Enttäuschung verflüchtigte sich schnell, spätestens beim Anblick des architektonischen Meisterwerks, dem Dom, der erhaben und umwerfend in seiner vollen Größe in den wolkenlosen blauen Himmel hinaufragt, als würde ihm ganz alleine diese Stadt gehören.

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Ponte Vecchio

Ponte Vecchio, was so viel wie Alte Brücke bedeutet, ist etwas, was man gar nicht verpassen kann, wenn man in Florenz ist, nicht einmal, wenn man es darauf anlegen würde, denn aus welchen Gründen auch immer landet man immer auf dieser wunderschönen, atemberaubenden Brücke, die tagsüber das zu Hause unendlich vieler kleiner Schmuckläden ist und bei Nacht in wundervollen Lichtern erstrahlt und bei ihrem Anblick den Atem eines jeden Touristen verschlägt. Insbesondere während des Sonnenuntergangs hatte man das Gefühl, sich inmitten eines Märchen zu befinden, so wunderschön ist diese Brücke mit all den Lichtern und der Sonne, die sich im Arno spiegelt.

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Piazzale Michelangelo

Die Sonnenuntergänge waren es letztendlich auch, die meine anfängliche Enttäuschung haben ganz schwinden lassen und selbige in absolute Euphorie verwandelt haben. Die beste Aussicht hat man vom Piazzale Michelangelo aus. Meines Wissens nach fahren regeläßig Busse dorthin und man kann den Platz auch gut mit dem Auto erreichen, allerdings kann man hier auch ebenso gut zu Fuß hinlaufen, was wir getan haben. Erst Mittags, um die Aussicht auf die Stadt am Tage genießen zu können und dann auch noch einmal abends, kurz vor Sonnenuntergang.

Ich kann mich nicht daran erinnern, zumindest nicht bewusst, schon einmal so gezielt einen Sonnenuntergang beobachtet zu haben, wie an diesem Abend. Man konnte die Sekunden förmlich zählen, bis der immer roter und knalliger werdendere Feuerball hinter dem Horizont verschwand. Es war nicht nur dieses wunderschöne Naturereignis, das mir Gänsehaut bescherte, sondern auch die Tatsache, dass ich dieses Erlebnis mit so vielen anderen, mir völlig fremden Menschen, teilen konnten, die wegen ein und demselben Grund hier oben waren. Der Applaus am Ende, als die Sonne schließlich verschwand und den Himmel in rosa- und lilafarbene Tönte tauchte, hat mir Tränen in die Augen getrieben.

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Piazza della Signoria

Nicht nur die riesigen Statuen, sondern auch der wunderschöne Platz an sich verschlägt einem die Sprache. Er eignet sich nicht nur, um sich einen Überblick über die Statuen zu verschaffen, ein wenig über die Geschichte derselben zu lernen, sondern auch um ein kleines Päusschen einzulegen, gerne auch inmitten der Statuen.

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Mercato del Porcellino

Neben den vielen Verkaufsständen, an denen die Händler meist Lederware wie Handtaschen, gebundene Notizbücher oder Gürtel anbieten, findet man hier auch noch einen Brunnen, den Porcellino Brunnen. Porcellino bedeutet Wildschwein und die Fontana del Porcellino ist eine der populärsten Skulpturen von Florenz. Im Volksmund heißt es, dass das Berühren der Nase des Ebers Glück bringt und man, wenn man seine Nase streichelt, auf jeden Fall irgendwann noch einmal nach Florenz zurückkehrt.

Das vollständige Verfahren jedoch, um ein gutes Omen zu erhalten, sieht etwas anders aus. Man muss dem Schwein eine Münze in den Mund legen, nachdem man seine Nase gerieben hat. Wenn die Münze hinter das Gitter fällt, wird man Glück haben. Offensichtlich ist sich jeder Tourist, der diese Stadt besucht, über dieses Ritual bewusst. Das Gedränge vor dem Brunnen hat es fast unmöglich gemacht, die Nase des Wildschweins zu streichen, doch ich bin hartnäckig geblieben. Zwar habe ich dem Eber keine Münze ins Maul geworfen, aber doch seine Nase berührt in der Hoffnung, dass es mich tatsächlich irgendwann noch einmal zurück nach Florenz bringt.

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Get Lost

Wie auch in jeder anderen Stadt würde ich jedem anraten, einfach „verloren“ zu gehen, ohne Plan die Stadt zu durchstreifen, die viel kleiner ist, als man anfangs vielleicht vermutet hätte. Wir haben hier pro Tag zwischen 20 und 30 Kilometer zurückgelegt, einmal, weil wir keine Lust hatten auf öffentliche Verkehrsmittel zurückzugreifen und auch weil es einfach viel zu viel Spaß machte, durch die Straßen zu schlendern, sich alles genau anzusehen, Einheimische zu beobachten, nette kleine Restaurants und Eisdielen zu entdecken und das echte Leben in Florenz zu erleben, was gerade bei all den Touristenspots fast unmöglich ist. So findet man zum Beispiel kleine Obstläden oder unentdeckte mit jede Menge Lichterketten ausgesäumte dunkle Gassen.

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Shake Cafe Juice Bar

Wer unterwegs eine Erfrischung braucht, was gerade bei diesen hohen Temperaturen im Sommer nur zu empfehlen ist, sollte bei Gelegenheit im Shake Cafe vorbeischauen, ein kleines Cafe, das nicht nur gesunde Snacks (sowohl auch vegetarisch, als auch vegan) anbietet, sondern auch köstliche Säfte aller Art. Einiges hiervon könnte man womöglich als überteuert bezeichnen, doch die Säfte sind nicht nur erfrischend und gesund, sondern auch unglaublich lecker verfeinert mit ein bisschen Minze.

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Trotz anfänglicher Schwierigkeiten hat Florenz letztendlich doch mein Herz erobert, nicht gerade im Sturm, dennoch hatte ich bei unserer Abreise das Gefühl, hier leben zu können, irgendwann mal oder zumindest noch einmal zurückzukehren, diesmal für länger als nur für drei Tage, denn ich in bin mir sicher, dass diese Stadt noch so viel mehr zu bieten hat als das, was sie mir in dieser kurzen Zeit von sich Preis gegeben hat.

6 Kommentare zu „Florenz – Liebe auf den zweiten Blick

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