Highway 1 – Von Los Angeles nach San Francisco

756 km in knapp 10 Stunden von Los Angeles nach San Francisco.

Sommer 2010, meine damilige beste Freundin und ich verbrachten gerade die letzten Wochen unseres 13-monatigen Auslandsaufenthalts in den USA und entschieden uns, den „Abschied“ von dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten gebührend zu feiern und zwar im Rahmen einer Reise quer durch den Westen der USA. Für drei Wochen hatten wir uns bei einer Freundin in Hermosa Beach einquartiert. Gemeinsam würden wir auf einen Roadtrip gehen, quer durch den Südwesten der USA, doch vorher wollten meine Freundin und ich uns unbedingt das wunderschöne San Francisco anschauen. Wir mieteten uns also ein Auto (ich war glücklicherweise schon 21 und konnte daher problemlos einen Wagen anmieten), einen weißen Toyota, und machten uns an der Küste entlang 756 km auf den Weg in den Norden Kaliforniens, nach San Francisco.

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Was heilt ein gebrochenes Herz besser, als ein Roadtrip mit einer guten Freundin? Dieses Gefühl von Freiheit überkam mich schneller, als ich es erwartet hatte. Dieses berauschende Gefühl breitete sich wie eine Droge in meinem Körper aus; diese Mischung aus Aufregung, Respekt und Vorfreude. Wir waren noch so jung, fühlten uns aber so erwachsen in diesem Augenblick. Es war die Zeit unseres Lebens.

Wir fuhren einfach drauf los, ließen alles hinter uns, die Angst davor nach Hause zurückzukehren; die Vorfreude auf das, was vor uns lag: ein neues Abenteuer. Sagt man nicht, mit den richtigen Menschen und der richtigen Musik, wird jeder Roadtrip zum Abenteuer? Die richtigen Menschen waren vorhanden, die Musik leider nicht. Es gab etwas, was wir nicht bedacht hatten und zwar, dass es zwischen Los Angeles und San Francisco, irgendwo im Nirgendwo, kaum bis gar keinen Radioempfang gab. Also mussten wir uns auf der ungefähr 10-stündigen Fahrt mit einer einzigen CD, auf der gerade einmal 10 Lieder waren, begnügen. Am Ende der Reise konnten wir jedes der Lieder lauthals mitsingen; kannten die Texte auswendig. Doch auch wenn uns die Musik gefehlt hatte, gab es zu diesem Zeitpunkt Niemanden, mit dem ich diesen Roadtrip lieber gemacht hätte, als mit meiner damiligen besten Freundin. Das Jahr in den USA hatte uns so sehr zusammen geschweißt, dass dieser Trip nur ein weiteres Abenteuer war, das wir auf unserer Bucket-Liste abhaken konnten.

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Was die Strecke auf der Traumstraße Amerikas so besonders macht? Die Strecke ist unglaublich abwechslungsreich. Dann wenn du glaubst, alles gesehen zu haben, fährst du ein paar Meter weiter und schon ist da die nächste wunderschöne Bucht, die so ganz anders aussieht, als die anderen zehn und doch über denselben Charme verfügt und über deren Schönheit du mal wieder nur staunen kannst. Natur, Tiere, Lebensräume – alleine auf dieser Strecke gibt es so viel Verschiedenes zu sehen, dass sich die 756 km auch ohne Zwischenstopp lohnen. Denn genau das haben wir getan. Wir fuhren die Strecke an einem Tag, stiegen Morgens in Los Angeles ins Auto ein und abends in San Francisco in einem alten, heruntergekommenen Hostel mit gemischten Zimmern für mindestens 10 Leute aus.

Natürlich lohnt es sich, Zwischenstopps einzuplanen. Manche Reisende machen gleich einen ganzen Urlaub daraus, eine Woche Highway 1, von San Francisco nach Los Angeles und alles, was dazwischen liegt wie zum Beispiel Silicon Valley, Santa Cruz und Santa Barbara, doch wir hatten uns dagegen entschieden, einige der Orte später dann besucht und nicht im Rahmen dieses Roadtrips. Uns ging es bei diesem Roadtrip nur um die Strecke selbst und um das Ziel. An einem Tag von Los Angeles nach San Francisco auf eine der wohl wunderschönsten Straßen, die das Land zu bieten hat.

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Noch heute erinnere ich mich immer wieder gerne an diesen Kurztrip. Wie es nur eine Freundin, ein altes Auto, 756 km und dieses Gefühl von absoluter Freiheit gebraucht hat, ein gebrochenes Herz zu heilen. Einfach mal die Seele baumeln lassen, dem Rauschen des Meeres lauschen, die Vögel und andere Tieren beobachten und den Kopf ausschalten; all das vergessen, was hinter und vor einem liegt und sich nur auf das Hier und Jetzt konzentrieren und die Abenteuer, die das Leben bereithält.

Heimweh und Fernweh begleiteten uns in dieser Zeit zu gleicher Maßen, die Freunde, nach so vielen Monaten endlich wieder nach Hause zu kommen, aber auch die Angst davor unser neues Leben als Außenseiter zu beginnen. Während unsere Freunde von damals bereits ihre neuen Lebensabschnitte begonnen, Jobs gefunden und ihre ersten eigenen Wohnungen bezogen hatten, hatten wir ein Jahr lang in einem fremden Land verbracht, neue Bräuche, Sitten und Menschen kennengelernt, hatten uns verliebt, mehr als einmal, und hörten unseren Herzen und Köpfen gleichermaßen zu, wie sie sich darum stritten wer Recht hatte: Kopf ausschalten und auf das Herz hören und einfach noch ein paar Monate hier bleiben? Oder das Herz vergessen und dem Kopf folgen, der uns immer wieder sagte, dass es Zeit wurde, mal wieder nach Hause zu gehen. Dieser Roadtrip; diese 10 Stunden, dieses berauschende Gefühl half uns dabei, all diese Gedanken, Ängste und Befürchtungen zu vergessen.

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Abenteuer wie diese, sind mit Geld nicht zu bezahlen. Diese Erfahrungen und Erlebnisse sind es, die einen wachsen lassen; die einem helfen zu dem Menschen zu werden, den man schon immer sein wollte. Es motiviert und inspiriert, es formt und prägt uns.

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Wart ihr selbst auch schon mal auf dem Highway 1 an der kalifornischen Küste unterwegs? Habt ihr die Strecke innerhalb eines Tages hingelegt, oder doch einige Zwischenstopps eingelegt? Was hat euch am besten gefallen? Möght ihr solche Kurztrips überhaupt?

Ich würde mich sehr über eure Kommentare freuen!

2 Kommentare zu „Highway 1 – Von Los Angeles nach San Francisco

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